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G E S U C H T
Eingestellt am: 10.04.2012

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20.05.12 10:00 Uhr: Dietrich-Bonhoeffer-Kirche: Gottesdienst mit Pastor Delfs (Abendmahl)

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20.05.12 17:00 Uhr: Thomas-Kirche: Jugend-Gottesdienst; Verabschiedung von Diakonin Schmidt-Paul

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09.06.12 19:00 Uhr: Ausstellungseröffnung: Die Farben der Schöpfung. Bilder von Ingrid-Johanna Koops

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Das Betonglasfenster




von Claus-A. Revenstorff

Wie oft habe ich während der Gottesdienste das Fenster betrachtet und es zu deuten versucht?
Ein „P“ für Pax (lat. Frieden) meinte ich in der Mitte zu erkennen; vielleicht noch ein Kreuz und mit ganz großer Phantasie eine Taube. Zufrieden war ich mit meiner Ausbeute.
Welch´ eine Freude, als ich hörte, dass Herr Prof. Ernst-Günter Hansing anlässlich unseres 40. Kirchweihfestes für die Interpretation seines Kirchenfensters kommen wollte. Endlich sollte meine Neugier befriedigt werden. Aber wie die vielen Informationen aufnehmen? Vielleicht das Fenster in Koordinaten aufteilen und bezeichnen?

Wie so oft, kam alles anders, denn die Schwerpunkte seines Vortrages lagen ganz woanders. Die Form und Größe mit 10 Meter Höhe waren vom Architekten Otto Andersen vorgegeben. Die künstlerische Aufgabe sah Herr Prof. Hansing darin, mit der großzügigen Dimension des Fensters den Bezug zur Person Dietrich Bonhoeffers und dessen Kraft im Glauben zum Ausdruck zu bringen. Deshalb begann er vor dem ersten Federstrich sich intensiv mit dem Leben und theologischen Wirken, besonders während seiner Haft, zu beschäftigen. Das Gelesene und dabei Empfundene setzte der Künstler in Glas, Beton, Farbe und Form um.

Die Interpretation dieser Arbeit möchte Herr Hansing gerne dem Betrachter überlassen, denn jeder empfinde, je nach Alter und Situation, sicherlich unterschiedlich. Das Fenster zeige keine Figuren oder Gegenstände, die Geschichten erzählen, sondern es seien sichtbar gemachte Empfindungen, vergleichbar mit der sakralen Musik, die ihren Ausdruck beim Musizieren finden. 

 


Der erste Eindruck beim Fenster ist ein überstrahlendes Licht aus der Mitte der oberen Fensterhälfte. Die Kirche ist durch den farbigen Lichtschein, der von der Decke reflektiert wird, in eine Atmosphäre violettblauer Farbe gefüllt.
Große schwarze, undurchdringliche Betonblöcke treten optisch aus der Fensterfront vor und öffnen sich zu Dreiecken und Rhomboiden, geben dunkelblaue Flächen frei. Leuchtendes Rot begrenzt scharfkantig die schwarzen strengen Formen, die im unteren Teil des Fensters in Bewegung scheinen. Es gibt keinen Boden unter den Füßen, keinen Halt in diesem Geschehen.

Doch wird die Schwere aufgehoben, trotz Asymmetrie bleibt Gleichgewicht. Wie von unsichtbarer Hand werden die wuchtigen Blöcke schwebend gehalten und weisen vor dem leuchtenden Hintergrund aufwärts. Dort werden die Blöcke ersplittert oder an den Rand gedrängt. Schwarz wird zum ruhigen Hintergrund, vor dem kristallisch aufleuchtend ein gelbrotwarmes Licht das ganze Geschehen überstrahlt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass über Chaos, Bedrohung, Resignation, Zweifel, Fehler, über Bösem und Gutem die Liebe Gottes wacht, ordnet, schützt, und wie Bonhoeffer schreibt: „Auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will.“


Interessant waren aber auch die vielen technischen Details und das gute menschliche Miteinander zwischen Architekt, Künstler und dem Kunsthandwerker.
Dieser Kunstglaser Günter Kruse aus Flensburg muss ebenfalls über sehr viel künstlerisches Geschick verfügen, wenn solch ein bedeutendes Kunsthandwerk gelingen soll. Die Glassteine hat er aus einer besonderen Glashütte in Südfrankreich geholt. Nur dort verfügt man über die Kunst, Gläser herzustellen, die auch bei trüben Wetter noch strahlen! Es galt aber auch die Gläser in Gruppen so in das Stahlgerüst einzuhängen, dass die Stabilität auf der einen Seite vorhanden ist und die Akustik wegen der gegenüberliegenden Orgel nicht gestört wird. Für die Sonneneinstrahlung auf der Südseite waren große Ausdehnungen zu erwarten. Deshalb wurden die einzelnen Formationen untereinander mit einer besonderen Masse elastisch verbunden.

Das Fenster muss zur Architektur der Kirche passen, steht es doch über dem Altar der Gemeinde gegenüber. Es muss dem Raum Inhalt geben, eine Atmosphäre schaffen, die dem großen Namensträger der Kirche ehren soll. Die Fläche soll nach den Wünschen von Prof. Hansing zu einem optisch und gedanklich vielschichtigen Meditationsraum werden. Das ist sicher auch gut gelungen.

 

PS.: Prof. Hansing lebt in Rhöndorf, er wurde im Juni 2009 80 Jahre alt.
Günter Kruse aus Flensburg ist 2009 verstorben.