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von Claus-A. Revenstorff
Wie oft habe ich während der Gottesdienste das Fenster betrachtet und es zu deuten versucht? Ein „P“ für Pax (lat. Frieden) meinte ich in der Mitte zu erkennen; vielleicht noch ein Kreuz und mit ganz großer Phantasie eine Taube. Zufrieden war ich mit meiner Ausbeute.
Welch´ eine Freude, als ich hörte, dass Herr Prof. Ernst-Günter Hansing anlässlich unseres 40. Kirchweihfestes für die Interpretation seines Kirchenfensters kommen wollte. Endlich sollte meine Neugier befriedigt werden. Aber wie die vielen Informationen aufnehmen? Vielleicht das Fenster in Koordinaten aufteilen und bezeichnen?
Wie so oft, kam alles anders, denn die Schwerpunkte seines Vortrages lagen ganz woanders. Die Form und Größe mit 10 Meter Höhe waren vom Architekten Otto Andersen vorgegeben. Die künstlerische Aufgabe sah Herr Prof. Hansing darin, mit der großzügigen Dimension des Fensters den Bezug zur Person Dietrich Bonhoeffers und dessen Kraft im Glauben zum Ausdruck zu bringen. Deshalb begann er vor dem ersten Federstrich sich intensiv mit dem Leben und theologischen Wirken, besonders während seiner Haft, zu beschäftigen. Das Gelesene und dabei Empfundene setzte der Künstler in Glas, Beton, Farbe und Form um.
Die Interpretation dieser Arbeit möchte Herr Hansing gerne dem Betrachter überlassen, denn jeder empfinde, je nach Alter und Situation, sicherlich unterschiedlich. Das Fenster zeige keine Figuren oder Gegenstände, die Geschichten erzählen, sondern es seien sichtbar gemachte Empfindungen, vergleichbar mit der sakralen Musik, die ihren Ausdruck beim Musizieren finden.
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