
Foto: Christine Schmidt, pixelioWieviel Trost verträgt ein Mensch?
In Gesprächen mit Trauernden, die jemanden verloren haben, der ihnen oft jahrzehntelang am nächsten und innigsten verbunden war, geht es neben dem gemeinsamen Weg und der Persönlichkeit des Verstorbenen oft auch um das, was wir „Trösten“ nennen.
Was heißt „Trösten“ eigentlich? Das Wort Trost hat für mich zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen, je nachdem, ob jemand Trost zu geben versucht oder als Trauernder Trost empfängt. Trost geben zu wollen kann auch gründlich misslingen, wenn der Trauernde gar nicht bereit ist, ihn zu wollen. Vermeintliche Trostworte, Floskeln und Bibelzitate zeigen nur, dass ich selbst unsicher und hilflos bin. Oder wenn ich versuche, Gefühle zu deuten oder klein zu machen, um die Trauer schnell zu „überwinden“: „Das wird schon wieder“. „Eigentlich wart ihr doch gar nicht mehr so eng zusammen“ oder dergleichen.
Frage ich danach, was der Trauernde selbst unternommen und gefunden hat, zum Beispiel ein bestimmtes Buch oder Bild oder eine bestimmte Musik, in der er Trost gefunden hat, öffnet sich eine Tür zum Trauernden. Wenn jemand aktiv eine Trostquelle für sich entdeckt hat, dann kann ich vorsichtig daran anknüpfen. Was für Trauernde wirklich tröstlich ist – so erzählen es viele – sind Menschen, die einfach da sind und ganz normal mit ihnen umgehen. Die etwas Liebes sagen oder tun. Die ruhig zuhören können, wenn Trauernde ihre Geschichte erzählen, das, wovon das Herz voll ist und immer wieder nach außen drängt.
Auch der Besuch einer Trauergruppe mit professioneller Begleitung kann hilfreich sein. Zu erfahren, dass es anderen Trauernden genauso geht, dass das Schicksal mich nicht allein getroffen hat, dass es viele Mittrauernde gibt, Menschen, die einen verstehen.
In der Passionszeit blicken wir auf den Leidensweg Jesu Christi. Gott ist den Menschen auch und gerade im Schmerz verbunden. Unser Leiden ist auch sein Leiden, unsere Trauer ist auch seine Trauer, unsere Schmerzen sind auch die Schmerzen seiner unendlichen Liebe zu uns. Dies war für mich der Schlüssel zum christlichen Glauben.
Dallas Gastmeier
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