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Eingestellt am: 10.04.2012

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Meditation aus GeMeindeBrief Nr. 13 (Winter 2011/2012) Diakon Ehm


Von der Rose leben

Es ist Herbst. Wir packen mal wieder für Rumänien. Gedanklich sind viele schon bei den Vorbereitungen für den Martinsmarkt, für die Advents- und Weihnachtszeit. Eine Freundin fragte mich: „Hast Du schon Geschenke für das Fest?“
Geschenke sind wichtig. Sie erfreuen das Herz. Sie erfreuen meist den zu Beschenkenden, aber auch den Schenkenden. Weihnachten ist so eine Zeit des Schenkens.

Wenn ich zurückblicke auf das Jahr, dann beeindruckt mich in unserer Gemeinde doch sehr, wie viel Zeit Frauen und Männer, Junge und Alte verschenken.Sich verschenken für andere, indem sie sich engagieren, einsetzen und mitmachen. Und ich habe den Eindruck, sie tun es gern! Vielen Dank dafür!

Und was wäre unsere Welt ohne Geschenke? Wie groß ist oft die Freude am Heilig Abend, zum Geburtstag, bei den Besuchen in Rumänien. Ich mache immer wieder diese Erfahrung, wie gut es tut, Gutes zu tun, etwas zu verschenken, sich zu verschenken.
Gott will sich verschenken, hinein in unsere Welt, auch durch unser Reden und Handeln. Und wir werden aus Beschenkten zu Schenkenden, wenn wir freudig abgeben und mit dem Herzen wirken. Das ist für mich der Geist von Weihnachten, der hineinwirken kann und will in unseren Alltag.

Eine Geschichte, die mir sehr gut gefällt, sei hier erzählt:
Von der Rose leben:
Während seines Aufenthaltes in Paris führte Rainer Maria Rilkes Weg oft über einen Platz, auf dem eine Bettlerin saß, die niemanden ansah, nie ein Zeichen gab und nie ein Wort sagte. Rilkes Begleiterin gab ihr oft Geld, Rilke nie. Schließlich fragte die Freundin nach dem Grund für sein Verhalten. Da antwortete er, man dürfe nicht ihrer Hand, man dürfe nur ihrem Herzen etwas schenken.
Einige Tage später brachte er der Bettlerin eine soeben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in ihre geöffnete Hand und wollte weitergehen. Da geschah etwas Bewegendes: Die Frau sah Rilke an, erhob sich mühsam, ergriff seine Hand, küsste sie und ging mit ihrer Rose davon. Mehrere Tage wurde sie nicht gesehen.
Dann saß sie wieder an ihrem Platz. Wieder sah sie niemanden an, gab kein Zeichen und sagte kein Wort. Da fragte Rilkes Begleiterin, wovon denn nur die Frau in den vergangenen Tagen gelebt habe. Er antwortete: „Von der Rose.“

Also als guten Tipp: Verschenken Sie auch einmal eine weiße Rose, verschenken sie sich selbst und schenken Sie mit dem Herzen.

Alle guten Wünsche für die vor Ihnen liegende Zeit, gesegnete Weihnachten und ein wirklich gutes, behütetes Neues Jahr.

Manfred Ehm